Food: The Breakfast Club (London)

Früher habe ich nie wirklich gefrühstückt. Morgens war es immer stressig und hektisch (primär durch mein chronisches Snoozen oder "Noch-5-Minuten-Bitte-Bitte") und somit fiel ein richtig ausgiebiges großes Frühstück in der Regel immer aus. Mittlerweile hat sich mein Zeitplan stark verändert und besonders im Urlaub lege ich wahnsinnig viel Wert drauf ein gutes, lokales Restaurant zu finden und ein gutes Frühstück zu haben. Denn nur mit einem guten Frühstück im Bauch, kann man mit viel Kraft und guter Laune die Stadt erforschen gehen. :)

Vor einigen Wochen hatte ich die Chance für zwei Tage nach London zu fliegen. Eindeutig zu wenig Zeit um ausgiebig viel zu unternehmen, geschweige denn einen weiteren Ort zu besuchen, aber es reichte definitiv aus um meinen kulinarischen Horizont zu erweitern. War zum Glück nicht mein erster (oder letzter) Besuch im Herzen Englands, aber trotz dem Hotel Frühstücksbüffet, das in unserem Preis inbegriffen waren, haben wir uns vorgenommen jeden Tag in einem Restaurant zu frühstücken. Im Geld schwimmen tu ich zwar nicht, aber wie sagt man so schön? Gönn dir!

Direkt nach unserer Ankunft am Stansted Flughafen sind wir mit der Bahn schnurstracks zur Liverpool Station durchgefahren. Von dort aus ging es direkt zum "Breakfast Club" im Spitalfields Bezirk. Es war ein wenig tricky den richtigen Weg direkt zu finden und ohne Google Maps und vorher runtergeladenen Apps wären wir vermutlich noch mehr Umwege gelaufen, da es sich zum einen in einer Seitengasse befindet und dazu auch noch relativ.. unscheinbar wirkt von außen. Glücklicherweise haben wir es dann doch endlich gefunden.


Von außen wirkt das Lokal, wie gesagt, relativ... unspektakulär. Online hatte ich gelesen, dass es manchmal sogar Schlangen gäbe und man nicht drum rum kommen würde bis zu einer Stunde zu warten (Das Warten würde sich jedoch lohnen). Ich weiß nicht ob es daran lag, dass es ein Dienstag war (vermutlich) oder dass wir um kurz nach Acht Uhr Morgens hungernd davor standen (und das Schicksal Mitleid mit uns hatte), aber es war leer. Wie erwartet war die Inneneinrichtung wun-der-voll, sehr urban. Es herrschte sowohl ein schöner Ausgleich von rustikalen als auch amerikanischen Dinner-like Elementen, hier und da verziert mit vielen liebevoll platzierten Kleinigkeiten wie kleine farbenfrohe Papierlampen-Girlanden, Lichterketten im Eingang, tonnenweise Fanpost, Polaroids. Selbst die Toiletten waren volltapeziert mit bunten Plakaten und vollgekritzelt mit Namen und allerlei Liebeserklärungen. Auf jeden Fall war alles schön künstlerisch angeordnet.


Ich hatte wie eine Verrückte knapp 50 Minuten lang meine Kamera darauf gehalten, nachdem mich meine Freundin drauf aufmerksam gemacht hatte, dass es sich bei dem Kühlschrank um eine Durchgangstür handelt. Leider hatte ich nicht das Glück es zu filmen oder zu fotografieren, da unser Essen serviert wurde und ich es durch diesen kulinarischen Orgasmus in meinem Mund gänzlich verdrängt hatte. :(


Da es unser erster Besuch war, war das Prinzip natürlich "All or Nothing". Wir haben uns für den "Full Monty" entschieden. Der absolute Klassiker der BFC-Kette, der schön das gesamte klassische britische Frühstück abdeckte. Von gebackenen Bohnen, (die vermutlich besten) pochierte(n) Eier, gebratenen Kartoffelstücken, Pilzen und einem Stück Wurst, ein Stück "Black Pudding" (welches sich als Blutwurst entpuppte - nicht ganz mein Fall, sorry.), gegrillter Tomatenscheibe (urgh) und zwei Scheiben Mehrkornbrot.

Der Teller ist deutlich größer als man sich das vielleicht durch das Bild vorstellen mag. Eigentlich reicht er vermutlich für zwei Personen völlig aus. Da ich aber generell mehr bestelle, als mein Magen eigentlich verträgt, und irgendwie schlecht im Einschätzen bin (bis ich dann völlig überfüllt das Handtuch werfen muss), musste natürlich direkt danach noch was Süßes her.


Awww yiss. Das ist eigentlich alles was ich dazu sagen kann. Ich hatte noch nie so fluffige, aber trotzdem dicke und warme Pfannkuchen. Interessant ist vielleicht die Tatsache, dass wir die beiden Gerichte zeitgleich bestellt und auch zusammen bekommen haben. Nachdem wir mit dem Mony fertig waren (und wir haben uns wirklich Zeit gelassen), haben wir uns über die Pfannkuchen hergemacht und sie waren immer noch WARM! Das hat mich völlig vom Hocker gerissen wieso auch immer. 

Bis dato ertränke ich gerne meine Mahlzeiten in Soßen z.B. Hollandaise, Sriracha, Zitronensaft oder Ahornsirup, wie bei Pfannkuchen hier und bin in der Regel immer unzufrieden mit der Soßenmenge, die Restaurants einem geben bei einem Gericht. Ich glaube wirklich, dass es das erste Mal war, dass ich nicht nachfragen musste oder innerlich der Soße hinterhertrauerte. Obwohl die Pfannkuchen wirklich nicht ertränkt waren in Sirup, war es bei keinem Biss trocken, sondern schön saftig. Wie man sieht haben wir uns für die klassische, beerige Variante entschieden. Also mit frischen Früchten und einer himmlischen Vanilla-Cream, was quasi einer Mischung aus Sahne und Vanillegeschmack war, nur ohne diese Schwere, die man von zu viel Sahne bekommt (oder ich zumindest). Gott, es war so gut. Ich kann das gar nicht anders formulieren. Seit ich zurück bin, versuche ich verzweifelt so fluffige Pfannkuchen zu machen.. leider gelingen sie mir einfach nicht - und es bricht mir mein kleines Herz mit jedem Mal ein bisschen. :(


Dazu gab es für mich den "Green is Good" Smoothie, was mein erster richtiger grüner Smoothie war. Ich dachte nach dem ganzen Hype, sollte ich das wenigstens mal probieren bevor ich mir wirklich einen Entsafter oder Mixer nach Hause hole. Zutaten waren hierbei geschmacklich gesehen eine Tonne Spinat, eine handvoll Minze, eine Prise Mango und Apfel um ihn ein wenig zu verfeinern. Keine Frage, er schmeckt gewöhnungsbedürftig. Vielleicht trifft das Wort "gesund" den Geschmack oder erklärt wenigstens wie es sich anfühlt ein Glas davon zu trinken. Ich würde definitiv lügen, wenn ich hier schreiben würde, dass ich innerlich jeden Tag danach giere. Den Plan mir einen Entsafter zuzulegen habe ich vorerst ebenfalls bei Seite geschoben, haha. Aber eine Sache steht fest: Er macht sich hervorragend auf Fotos. Interessant ist außerdem die Tatsache, dass 2 Pfund vom Smoothie an Hilfsprojekte gespendet werden, die sich die Mitarbeiter aussuchen dürfen. 


Vielleicht kriegt man den fehlerhaften Eindruck durch diesen Eintrag, dass es sich bei dem Breakfast Club um ein reines Frühstück-Restaurant handelt, aber laut Karte werden auch Mittagsmenüs und alkoholische Getränke angeboten. Alles in Betracht gezogen, kann man aber getröst sagen, dass man hier ein authentisches Frühstück zu einem angemessenem (englischem) Preis bekommt. Insgesamt haben wir 30 Pfund dagelassen, umgerechnet ca. 43€ für zwei Personen. In einigen Lokalen ist das Trinkgeld schon im Preis inbegriffen (oder wird in Form von z.B. 12% draufgerechnet). Hier konnte man selbst entscheiden ob und wenn ja - wie viel - man an Trinkgeld geben wollte. 

Für Reisende, wie uns, war das Lokal eine wahre Goldmiene, da dort auch WLAN angeboten wurde, jedoch nur gegen Nachfrage des Passworts. Das Personal ist wahnsinnig freundlich, was man in London von Kellnern immer gewohnt ist, aber es war nett so kurz über das Menü, die Getränke und den Laden selbst zu quatschen. Das Passwort, als wir da waren, war übrigens "Iwantitthatway" - für die, die sich nicht trauen das Personal zu fragen, aber vielleicht ändern die es jede Woche. ;) Definitiv ist es einen Besuch und das Geld, das man da lassen wird, wert.


The Breakfast Club (Spitafields)
12-16 Artillery Lane,
E1 7LS
(5 Minuten Fußweg von der Liverpool Station)